Emmanuel Bove

Emmanuel Bove


Emmanuel Bove
Was ich gesehen habe
Erzählung

Aus dem Französischen von Helke Voß-Becher
Mit einem Nachwort von Katharina Weiss

Fadengeheftete französische Broschur
24 Seiten, 12 Euro (D)
ISBN 978-3-9818555-2-4

Erschienen im Oktober 2017

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Ein Schriftsteller schreibt einen Brief an einen „Cher Monsieur“, in dem er ihm von einer zutiefst verstörenden Beobachtung berichtet. Er hat gesehen, wie seine Freundin Henriette in einem Taxi einen Mann geküsst hat. Hin- und hergerissen zwischen dem Glauben an die Liebe Henriettes, die überzeugend ihre Unschuld beteuert, und der Gewissheit, dass das, was er gesehen hat, die Wahrheit ist, wird die Szene im Taxi zu einer Idée fixe, die die Grundfesten seiner Existenz erschüttert. Es kann nur eine Wahrheit geben, aber welche? Die Entscheidung über diese Frage ist dem Leser des Briefes überlassen.

Das raffinierte Vexierspiel, das der Autor Emmanuel Bove mit dem Leser treibt, ist zugleich eine Reflexion über Wahrheit und Wahrhaftigkeit der Literatur.

Als „Ce que j’ai vu“ 1928 in dem Band „Henri Duchemin et ses ombres“ erschien, stand Bove auf dem Höhepunkt seines literarischen Schaffens. Die Erzählung birgt den Keim seines großen Romans „Journal écrit en hiver“ (1930), in dem er die Phantasmagorien eines eifersüchtigen Ehemannes in allen Facetten ausleuchtet.

Emmanuel Bove
Emmanuel Bove wird 1898 als Sohn eines mittellosen russischen Juden und einer luxemburgischen Mutter in Paris geboren. Als er sich 1923 auf der Suche nach einer Redakteursstelle bei einem großen Pariser Pressezaren vorstellt und gefragt wird, wie er denn heiße, antwortet er, nicht ohne Selbstbewusstsein: „Ich habe noch keinen Namen.“

Ein Jahr später gelingt ihm mit „Mes amis“ der literarische Durchbruch. Die Kritik ist sich einig: Schon der erste Roman, den Bove vorlegt, ist ein Meisterwerk, das einen ganz eigenen Ton anschlägt und keinem Vorbild, keiner literarischen Richtung zugeordnet werden kann.

1928 wird Bove mit dem renommierten „Prix Figuière“ ausgezeichnet. Dennoch setzt er nie einen Fuß ins Rampenlicht der literarischen Öffentlichkeit. „Er versuchte, übersehen zu werden, so wie andere versuchen, bekannt zu werden“, erinnert sich sein Freund Philippe Soupault. Bis zu seinem Tod im Juli 1945 schreibt Bove 23 Romane und über 30 Erzählungen. Nach dem Krieg in Vergessenheit geraten, gilt Bove heute als großer Außenseiter der französischen Moderne.